Das Österreichisch-Russische Künstlerisch-Wissenschaftliche Projekt DUST


Laboratoria Art and Science Space und das Österreichisches Kulturforum
Präsentieren das Österreichisch-Russische Künstlerisch-Wissenschaftliche Projekt
DUST
ZUM ERÖFFNUNGSDATUM:
Am 12. April findet im LABORATORIA Art&Science Space die Vernissage der Ausstellung STAUB statt. Das Datum ist nicht zufällig gewählt, es ist der Tag der Kosmonauten, wir beschäftigen uns mit Staub in seinen verschiedensten Formen: elektronischer Staub, Pollenstaub, Staub als Schmutz, als Kunstwerk und nicht zuletzt Kosmischer Staub. Ein Hoch den Kosmonauten die den letzteren erfühlen!

Ausstellungsort: LABORATORIA Art&Science Space • Per. Obucha 3, Moskau •
+7 495 989 9771 • www. newlaboratoria. ru •

Vernissage:
12.04., 19h00

Öffnungszeiten:
13.04.-10.06.2012, Mo-Mi 11.00-18.00; Do-Fr 11.00-21.00, Sa-So 14.00-21.00

KURATOREN: Darja Parchomenko, Simon Mraz

KÜNSTLER: Herwig Weiser, Erwin Wurm, Christa Sommerer & Laurent Mignonneau, Dietmar Offenhuber, Markus Decker, Orkan Telhan, Bartholomäus Traubeck, Kiril Ass und Anna Ratafjewa, Alexej Blinow, Vereinigung «Vverkh», Natalja Egorowa, Darja Krotowa und Sergej Krotow, Maxim Ksuta, Gruppe «Kuda begut sobaki», Anatolij Osmolowskij, Alexandra Paperno, PROVMYZA, Roman Sakin und Olga Wolkowa, Olga Tschernyschowa, Sergej Schutow

DAS PROJEKT: In einer Kooperation von Wissenschaftlern und Künstlern nähern wir uns dem Thema Staub unter verschiedensten Aspekten.

Im Rahmen unseres DUST — Projektes betrachten wir Staub in seinen unterschiedlichsten Formen, sei es Pollenstaub, kosmischer Staub oder der alltägliche Staub. Im Vorfeld der Ausstellung haben wir russische Künstlerinnen und Künstler zu Vorlesungen von Naturwissenschaftlern eingeladen um sie zu neuen Blickwinkeln hinsichtlich unseres Themas zu inspirieren. Zu dem Thema haben wir weiters eine Reihe österreichischer KünstlerInnen gefunden die sich mit Staub in verschiedenster Hinsicht befasst haben.
Die so entstandene Ausstellung möchte mehr als nur Arbeiten zu und mit Staub zeigen, sie nimmt uns auf eine Reise die von der Philosophie zur Naturwissenschaft, vom Kosmos bis zum Pollenkorn reicht.

ARBEITEN:
«Hirnstaub», so nennt sich Sergej Schutows Installation, die den Phosphenen gewidmet ist: Figuren, leuchtenden Punkten, Zeichnungen, die man ohne Lichteinwirkung vor den eigenen Augen sehen kann, indem man das Gehirn mit einem speziellen Elektroinstrument stimuliert. Man schaut so in sich hinein, in die Tiefen des eigenen Kosmos. Man kann aber auch nach draußen schauen, den täglichen Staub betrachten, jenen, der von den gewöhnlichen Gegenständen, die wir unter normalen Lichtverhältnissen sehen, zurückbleibt. Dies ist Staub in einer anderen Phase seines Zyklus, nicht im kosmischen Anfangsstadium, sondern in seiner abschließenden Alltagsform.
In Alexej Blinows Arbeit «An was sich Staub erinnert» können die Besucher mit einem Wischmopp aufräumen, der mit Sensoren ausgestattet ist. Beim Staubwischen kann man über Kopfhörer den Gesang und die Erzählungen des Staubes mithören, Augenblicke von Informationen, die sich zu einer merkwürdigen, globalen Erzählung fügen und die Welt der Menschen zurück zur Sprache des Alls bringen. Gemäß dieser Logik setzt die Künstlergruppe aus Jekaterinburg «Kuda begut sobaki» («Wohin die Hunde laufen») in ihrer interaktiven Arbeit die Besucher selbst mit dem Staub gleich; während der Dauer der Ausstellung wird das besuchende «Staub»-Volumen gezählt.

Staub ist ein Zeitmesser, er zeigt den Prozess der Zerstörung und der Auflösung auf; er ist jener Rest, der in uns Nostalgie wecken kann. In Erwin Wurms Werk bleibt vom Gegenstand nur dessen staubiger Abdruck zurück. Das Publikum bekommt vom Gegenstand nur dessen Absenz zu sehen, die sich in den vom Staub zurückgelassenen Konturen festgesetzt hat. Hier bedeutet Staub die Zeit nach einem bestimmten Augenblick, wird zu einem Denkmal, das die Zeit misst, nachdem das Leben einen Halt eingelegt hat. So wie die Ringe eines Baumstamms die Zeit seit Beginn eines Lebens zählen. Diese geheime Wirkungsweise des Staubes wird auch von Bartholomäus Traubecks Toninstallation «Jahre» gezeigt, in der Abschnitte von Baumstämmen mit Jahresringen als Schallplatten verwendet werden. Eine Kamera liest die die Ringe im Holz und verarbeitet die Zeit zu Musik, sie macht zugänglich, was das Holz normalerweise schweigsam für sich behält. In «Staubserenade» von Dietmar Offenhuber, Markus Decker und Orkan Telhan, verändert eine Schallwelle auf ihrem Weg die Teilchen des Straßenstaubs und haucht ihnen Leben ein. Diese interaktive Installation rekonstruiert das akustische Experiment aus dem 19. Jahrhundert des Physikers August Kundt, mit der er die Schallgeschwindigkeit in Gasen maß.

Herwig Weisers technologische Installation «ZII» überträgt ein staubiges Gemenge in industrielle Töne. Der Besucher kann die Metamorphosen und daraus entstehenden Töne der Substanzen selbst beeinflussen, indem er die Spannung des Magnetfelds verändert. Dieses Objekt sieht aus wie ein Fenster zu einer phantasmagorischen Welt, in der Welten geboren werden und sterben. Die Musik des «Staubes» berichtet uns von einem superabstrakten Leben, dessen Code noch nicht entschlüsselt ist und von dem wir noch keine Nachrichten empfangen können, aber von dem alles durchdrungen ist, sowohl wir selber, als auch unsere ganze Tätigkeit und unser Gedächtnis.

Archive und Staub müssen wohl immer zusammen gedacht werden. Diesen Zusammenhang erforscht die Gruppe Provmyza in ihrem Werk «20.21», einer Videopräsentation über eine kondensierte und klar strukturierte Zeit, präsentiert aus der Perspektive eines Bibliotheksbesuchers. Man kann dem entgegenstellen, dass es heute, im «elektronischen» Zeitalter, keinen Staub mehr gibt. Doch auch im sterilsten digitalen Raum sind die Informationspartikel und Wissenspixel nichts mehr als Staub. Dies veranschaulicht auch die Videoinstallation der Gruppe «Vverkh» («Nach oben»), in der zufällige Videos aus dem Internet in «staubige» digitale Landschaften verwandelt werden. Jede von ihnen ist eine separate, sinnbehaftete Welt, und alle zusammen bilden sie ein riesiges «Chaosmos», dem wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Sinn verleihen können. Die österreichischen Künstler Christa Sommerer und Laurent Mignonneau, Pioniere der technologischen Kunst, haben für die Ausstellung die interaktive Installation «Lärm und Rauch» geschaffen, in der sich die menschliche Sprache zu Lärm und Rauch verwandelt. Doch damit nicht genug. Indem er uns überlebt, indem er Symbol für unsere Vergänglichkeit ist, kann der Staub plötzlich selbst zu einem Überbleibsel, einer Kontur, einem Relief werden, das an den Menschen erinnert, als ob die Anwesenheit des Menschen im All bereits unauslöschlich wäre. Kiril Ass und Anna Ratafjewa zeigen mit Hilfe von Kohlenstaub verblichene architektonische Materie, das Andenken an eine frühere, dekorative Epoche auf. Und indem Anatolij Osmolowskij diese weitere Inkarnation des Staubes aus der Vergangenheit in die Gegenwart überführt, schreibt er mit dieser feinen, sich verfliegenden Substanz die Losung «Die wahre Freiheit liegt in der härtesten Logik der Entwicklung alles andere ist Willkür». Der Aphorismus des laufenden Moments ist die Intensivität des Gedankens, den der Künstler im Hier und Jetzt sehen kann, wenn er in sich hineinschaut wie in einen inneren Kosmos.

Am 13. April wird Dietmar Offenhuber, Künstler und Forscher an des MIT, im Rahmen der Ausstellung «Staub» die Vorlesung «Räume fühlen / Gefühle einräumen» halten. Der Referent wird über seine Forschungen zu Gefühlen und Motivationen im urbanistischen Umfeld berichten, die er im Laboratorium Senseable City durchführt. In diesem Laboratorium entwickelt eine Gruppe von Wissenschaftlern des MIT Technologien, die uns dabei helfen, die Infrastruktur moderner Städte zu verstehen und zu verbessern. Diese Technologien verwendet Dietmar Offenhuber mit Erfolg in künstlerischen und technologischen Projekten, wie Trash | Track und Forager, die sich mit den Überwachung der Bewegungen von Müll mit Hilfe von modernen Technologien beschäftigen und eine Steigerung der Effizienz dieser Prozesse, die auf den ersten Blick chaotisch wirken, zum Ziel haben. Dieser Zusammenhang zwischen Struktur und Unbestimmtheit ist auch für die «Staubserenade» charakteristisch, die in der Ausstellung gezeigt wird und über die Offenhuber gemeinsam mit den anderen beiden Autoren Markus Decker und Orkan Telhan berichten wird.